Normalisierung auf andere Art
Bei strahlendem Sonnenschein trafen sich am Pfingstwochenende ca 160 Personen mit und ohne Behinderung zu einem Zeltlager der besonderen Art. Das eurolager ist ein integratives Zeltlager für Menschen mit und ohne Behinderung. Es gibt keine Altersbeschränkung zur Teilnahme. Ziel des Lagers ist Menschen mit und ohne Behinderung zusammenzuführen, Berührungsängste abzubauen auf eine spielerische, kreative und lustvolle Art. Aus diesem Grund werden Leute gesucht, die keine spezielle Ausbildung im Bereich Behinderung mitbringen, sondern von Vorteil keine, oder nur wenig Erfahrung haben. Dies mit dem Ziel, dass auch Menschen, die nicht beruflich in diesem Sektor tätig sind die Möglichkeit haben ihre Bilder und Einstellungen zu Behinderung überprüfen und gegebenenfalls hinterfragen können. So soll eine möglichst breite Zielgruppe entstehen, welche das Lager vielfältig und interessant macht. Das Lager wird von 4 Ländern organisiert, Deutschland, Schweiz, Liechtenstein und Italien (Südtirol). Jedes Jahr findet das Lager in einem anderen Land statt. Übernachtet wird in Zeltgruppen a 20 Personen, die bunt durcheinander gemischt werden nach Land, Behinderungsgrad, Geschlecht und Alter. So entsteht eine heterogene Gruppe, die 4 Tage lang miteinander bastelt, spielt, singt und tanzt. Die Organisatorinnen und Organisatoren achten auf ein ausgewogenes Rahmenprogramm, wie Workshops, Feste oder Grossgruppenspiele, sowie auf ein fachlich - orientiertes Coaching der Betreuungspersonen.
Seit knapp 10 Jahren bin ich nun schon dabei und seit ca. 5 Jahren als Mitglied des Organisator/Innen-Team. Und wie jedes Jahr schmerzen mich sämtliche Köperteile, die ich vorher noch nicht kannte, ich habe chronischen Schlafmangel und werde die nächsten Tage wohl eher damit verbringen, möglichst nichts zu tun. Doch eines ist jedes Jahr auch dabei. Das Wissen darum, dass für vier Tage Vorurteile, Berührungsängste und ein Tabu gebrochen wurden, das Menschen mit Behinderung als Menschen angesehen werden können, ohne sie auf ihre Behinderung zu reduzieren, sondern als selbstverständliche Teilnehmende des Lagers. Normalisierung auf eine Art, in der vieles möglich und alles offen ist. Und so kann ich mich auch dieses Jahr zurücklehnen, die wunderschönen Erfahrungen nochmals an mir vorbeiziehn lassen im Wissen, dass mit Kreativität, Spass und Spiel vieles möglich ist, was man sonst für unmöglich halten könnte.



