„Ich finde Analverkehr sowieso mühsam“
Brisantes Interview mit einem schwulen Journalisten. Er spricht über Sex, Homo-Ehe und Diskriminierung.
Die Homosexualität, so scheint es, ist kein Tabuthema mehr. „Schwul“ hat sich bereits als Fluchwort etabliert. Die Medien machen mit der Homosexualität ein gutes Geschäft. In Fernsehsendungen wie „Fab 5“ oder „the L-word“ geht es explizit um die Hervorhebung der Homosexualität. Klischees werden verstärkt und Stereotypen werden geschaffen. Doch wissen Heteros dadurch wirklich über die Homosexualität Bescheid? Der Fachhochblog-Reporter ist losgezogen und hat dazu einen Schwulen befragt.
Fachhochblog: Wann hast du gemerkt, dass du schwul bist?
Philippe: Ich habe es schon immer gewusst. Daran gab es nie Zweifel. Ich habe mich immer mehr für Männer interessiert als für Frauen. Dennoch hatte ich Sex mit Frauen. Mal zum ausprobieren, mal war ich betrunken oder auch einfach aus Lust.
F’blog: Ist das denn noch schwul…?
Philippe: Ach, ich ziehe unter einem sexuellen Blickwinkel noch heute eine sehr attraktive Frau einem hässlichen Kerl vor. Es kommt durchaus vor, dass ich mit Frauen rumknutsche. Sie muss aber schon richtig geil sein. Im Verhältnis finde ich aber dennoch mehr Männer anziehend.
F’blog: Wie definierst du unter diesen Umständen deine Homosexualität?
Philippe: Ich könnte mich nie in eine Frau verlieben! Ich definiere mich aber sowieso nicht über meine Sexualität. Die sexuelle Vorliebe ist ja auch keine politische Wahl, in der man sich zwischen der Partei A oder B entscheiden muss.
F’blog: Gibt es in deinem Alltag dennoch Situationen, die dich mit der Homosexualität konfrontieren?
Philippe: Das kommt wohl dann vor, wenn mich jemand zu einem Anlass einlädt und dann sagt, dass ich doch meine Frau mitbringen soll. Ich antworte dann einfach, dass ich meinen Freund mitbringe. That’s it. Ansonsten merke ich es nicht.
F’blog: Hast du je wegen deiner sexuellen Orientierung Diskriminierung erfahren?
Philippe: Nein, nie. Aber ich bewege mich auch in einem sehr liberalen Umfeld. Ich finde diese „CSD-Schwulen“ (CSD = Christopher Street Day) furchtbar. Die jammern und marschieren für etwas, was sie sowieso schon haben. Durch dieses zoohafte Darstellen exkludieren sie sich doch selber aus der Gesellschaft. Diese Vermarktung der Sexualität widerstrebt mir. Die ganze Diskussion ist ein leidiges Thema.
F’blog: Aber hast nicht genau du von den Leuten profitiert, die für deine Freiheit auf die Strasse gingen?
Philippe: Doch. So gesehen bin ich ein Trittbrettfahrer. Aber die Zeiten sind doch vorbei. Die Frage der Adoption oder der Heirat kann doch in einem liberalen Staat auf der juristischen Ebene gelöst werden. Dafür braucht es keine rosa Federboas. Jeder soll und kann doch heute machen was er will, solange er niemanden dabei stört. Natürlich sollen Homos heiraten können.
F’blog: …ja?
Philippe: Ja. Aber mal ehrlich. Wer will denn heiraten? Aber sollen sie wenn sie wollen. Von mir aus müsste auch eine 3er-Beziehung dieselben Rechte haben wie eine gewöhnliche „Heti-Zweierkiste“. Es muss doch jeder selber wissen womit er glücklich ist. Geht mich doch nichts an. Ich bin einfach sehr liberal.
F’blog: …und die Adoption von Kindern?
Philippe: Dasselbe! Gleichberechtigung auf der ganzen Linie. Es gibt nur etwas, das mich stört. Ich kenne Schwulenpaare, die ein Kind wollen und mit einem spermagefüllten Reagenzglas zu einem Lesbenpärchen gehen und das Ganze mit der Pipette vollziehen. Furchtbar! Wer ein Kind will soll poppen! Soviel Eier sollte man schon haben. Augen zu und los!
F’blog: Poppen ist ein gutes Stichwort. Glaubst du, dass es Unterschiede im Sexualleben bei Schwulen und Heteros gibt?
Philippe: Ich denke schon. Der Mann hat wohl eher die einfachere Sexualität als die Frau. Beim Schwulensex treffen zwei Männer aufeinander. Die männliche Sexualität verdoppelt sich…ach was, potenziert sich um ein Vielfaches. Hinlegen, zack! Nach meiner Beobachtung wechseln Schwule auch viel häufiger die Partner als „Hetis“. In Darkrooms und ähnlichen Clubs geht es nur um Sex. Es wird kein Hehl daraus gemacht. Man trifft auf eine gesunde Portion Pragmatismus. Natürlich gilt dies nicht für 100% der Schwulen. Ich für meinen Teil habe wahrscheinlich weniger Sex als so mancher Hetero.
F’blog: Beim “Hetero-Sex” ist geklärt wer penetriert und wer penetriert wird. Wie sieht dies in einer Beziehung zwischen zwei Männern aus?
Philippe: Unterschiedlich. Es gibt Paare, bei denen von Anfang an definiert wird, wer welche Rolle hat und dies bleibt dann so. Einer hat den passiven, einer den aktiven Part. Dann gibt es Paare die sich abwechseln. Ich finde Analverkehr sowieso mühsam. Die ganze Vorbereitung mit Crèmes und so. Da bevorzuge ich Blasen und von Hand.
F’blog: Woran erkennt ein Schwuler ob ein anderer auch gay ist?
Philippe: Durch den Augenkontakt. Der Blick sagt es. Man spricht sich an und irgendwie merkt man es. Schwierig zu sagen.
F’blog: In den Medien tauchen viele Schwule auf. Bekannt sind beispielsweise Sven Epiney und Kurt Aeschbacher. Du bist ebenfalls Journalist. Glaubst du, dass der Beruf Schwule anzieht?
Philippe: Schwule gibt es in allen Berufen und in allen Kulturen zu gleichen Teilen. In den Medien ist es einfach offensichtlicher. Aber vielleicht ist es so, dass Schwule früh über sich selbst und die Gesellschaft zu reflektieren und zu kommunizieren gelernt haben. Dies ist natürlich für die Medienarbeit von Vorteil.
F’blog: Was ist dein Tipp für Männer, die sich ihrer sexuellen Orientierung nicht sicher sind?
Philippe: Ausprobieren, ausprobieren, ausprobieren! Machen was immer gefällt! Es gibt ja auch die Bisexualität. Mal mag man Wein, mal Bier.
Vielen Dank für das Interview und deine Offenheit.

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